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„Spinnfischen mal anders als gewohnt…, Portugal“

Spinnfischen mal anders als gewohnt…

Ein Gästebeitrag vom Fabian, aus Portugal.

Bei dem Thema Spinnfischen auf Wolfsbarsch, kommt man logischerweise um Wobbler, Popper oder Jigs nicht herum.

Diese sind nicht nur extrem fängig sondern auch in eine Vielzahl von Marken, Grössen und Modellen vorhanden und haben auch in meiner Köderbox einen festen Platz!

Was aber wenn die Umstände den Einsatz der o.g. Köder nicht zulassen oder die Fische das Spiel schon kennen? In erster Linie denke ich hierbei an sehr starke Strömungen bei ablaufendem Wasser im Mündungsbereich großer Flüsse oder bei einem Wellengang, der keine saubere Kunstköder Führung mehr zulässt. Ganz zu schweigen von starkem Wind über 20 Km/h, bei dem man Wobbler Gufis nicht mehr ordentlich werfen kann.

Da ich selbst seit ca. 5 Jahren dem Wolfsbarsch in Portugal nachstelle, sind eben genannte Situationen fast alltag für mich. Wind und Wellen, plus die heftige Strömung an den Mündungen von Tejo(Lissabon) und des Douro (Porto) lassen das Herz des Wolfsbarschangler schneller schlagen. Leider sind die Tage rar an denen ich mit Wobbler oder Gummis losziehen kann aufgrund der Wetterverhältnisse.

Die Portugiesen haben hierzu eine Angeltechnik entwickelt die sehr einfach ist aber dafür sehr effektiv. Es handelt sich um das Kunstköderangeln mit meist sehr langen Surfcasting-Ruten von mind. 4 m bis 5m in Kombination mit einem simplen Antidrallsystem welches die verschiedenen Kunstköder knapp über dem Grund hält, wenn genügend Blei verwendet wird. Alternativ kann man das selbe System auch mit einer Art Wasserkugelfischen sodass der Köder direkt an der Oberfläche gefischt wird.

Aber erstmal langsam! Denn es gilt zu verstehen dass der Wolfsbarsch, wie auch sein Verwandter der gefleckte Wolfsbarsch, ähnlich wie unser Zander extrem lichtscheu sind und während des Tages meistens selten im Flachwasser anzutreffen sind. Ausnahmen hierzu sind natürlich trübe Tage und trübes Wasser.

Meiner Erfahrung nach stehen die Wolfsbarsch tagsüber am Flussgrund oder ziehen sehr Bodennah in der Hauptströmung umher. Nicht selten sind dies Tiefen zwischen 3 bis 10 Meter oder sogar mehr, je nach Tidenhub.

Die Lösung hierfür ist vor allem für Uferangler den Köder circa 50-60 cm über Grund, im Strom anzubieten bzw. möglichst lange dort halten zu können.

Mit Ködern meine ich kleine Plastikfische die von verschiedenen Firmen aus dem UK&FR hergestellt werden und einen Sandaal oder junge Sardine imitieren sollen. Der Ferrari  unter diesen Herstellern ist die Firma Red Gill (auf DT. rote Kiemen). Dieser Köder läuft bei geringem Widerstand extrem verführerisch und hat mir nicht nur eine Menge Fisch gebracht sonder im direkten Vergleich zu anderen Herstellern diese fast immer geschlagen.

Jetzt aber zu der Montage:

Diese ist wie schon gesagt sehr simpel aufgebaut. Eine Schnur mit 1,2mm Durchmesser, die man sich bei Decathlon für 7€ kaufen kann,welche am Ende einen Wirbel mit einer Tragkraft von circa 30 Kg hat in welche das Blei oder Buldo (Wasserkugelimitation) eingehangen wird. In der Mitte wird ein Wirbel mit zwei Perlen aufgezogen an den das Ködervorfach geknotet wird. Zuletzt noch ein Einfachwirbel, welcher mit der Hauptschnur verbunden wird und fertig ist die Montage. Genannt wird diese Montage „MMX Montage“ nach dem „Erfinder“ welcher ein guter Bekannter von mir ist.

Soweit recht einfach, oder?

Kommen wir nun zu den Ködern und der Montage:

Die Köder sehen wie folgt aus->

Von oben nach unten aufgelistet findet ihr: eine selbstgemachte Glasaalimitation in weiss und rot. Diese kann man meist auch im Angelladen kaufen, sind dann aber nicht so hochwertig.

Danach kommen die viel gelobten Reg Gill, in den fängigsten Farben, wobei die in der Mitte (pearl) am besten fängt und im Wasser auf blau/lila umfärbt. Hier ist zu beachten, dass die mitgelieferten Haken aus dem  Blister, unbedingt mit anderen Haken ersetzt werden sollten. In diesem Fall habe einen Aberdeen der Firma Mustag in 1/0 verwendet um die Haken zu ersetzen.

Die letzen beiden Köder sind wohl am häufigsten zu finden, vor allem in Frankreich. Grün/weiss mit roten Kiemen ist von der Firma Raglou. Dieser ist sicherlich ein solider Köder vor allem in der gewählten Farbe . Als letztes, und in weiss, ist der Köder der Firma Delta, welcher auch sehr solide ist. Auch bei den beiden Ködern ist es ratsam die mitgelieferten Haken zu wechseln. In diesem Fall habe ich Grösse 10 der Firma Mustad benutzt. Ihr fragt euch sicherlich, warum Haken wechseln? Ganz einfach die mitgelieferten Haken rosten euch bereits am ersten Tag nach Salzwasser Kontakt weg.

Zuletzt noch die Montage. Man zieht den Haken aus dem Köder und fädelt am Mund des Fisches, ein mind. 4 Meter langes flour Vorfach in 0.30mm ein und zieht es aus dem Fischbauch wieder raus. Dann knotet man das fluor am Haken fest und zieht den verknoteten Haken wieder in der Fischbauch.

Dieses fertige Vorfach montiert man nun an den frei beweglichen Wirbel, und fertig ist die Montage.

Wichtig: Bei der Buldo Montage sollte das Ködervorfach nur 3 Meter lang sein. Persönlich würde ich auch keine Wasserkugel verwenden da diese recht schnell an den Felsen zerschellt, sondern immer diese „Buldo´s“

Zum Schluss noch etwas zur Technik. Beim Schleppen mit dem Buldo, wird der Köder ca. 2-3 Zentimeter unter der Wasseroberfläche angeboten und bei geringem Wellengang (bis 1.5m) recht normal eingeholt.

Beim Fischen im Hauptstrom wird das Blei in die Strömung geworfen, wobei man schnell auf 100 m Wurfweite kommt. Nach dem Auswurf wird die Rolle sofort geschlossen und gewartet bis das Blei auf dem Grund aufkommt. Dies ist wie das „tokken“ beim Zanderangeln. Danach sofort ganz sachte anschlagen damit das Blei vom Boden hoch schwebt und nicht an den Steinen/Muscheln verloren geht. Nun kann mittels der langen Rute, dass Blei im Strom kontrolliert werden und schön langsam eingeholt werden, sodass dieses immer knapp über dem Grund schwebt. Da die Ruten lang und schwer sind, empfiehlt es sich das Rutenende zwischen die Beine zu klemmen und so dann einzuholen. Sobald ein Fisch beißt, sollte nach möglichkeit nicht angeschlagen werden, da der Fisch sich in der Regel von selbst Hakt.  Wichtig ist aber stabile Ruten mit WG um die 150 Gramm zu haben. Ich fische persönlich zwischen 50 Gramm an der Douro Mündung und 130 Gramm an der Tejo Mündung, abhängig von der Tidenkraft. Am Strand, bei Wellengang circa 30-40 Gramm.

Viel Petriheil!

Fabian, Portugal

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