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Der sich nen Wolf angelt

Der sich nen Wolf angelt

Bereits im letzten Jahr hatte ich mir vorgenommen, meine persönliche „Fliegenfischfangartenliste“ um eine Fischart zu erweitern…

nämlich um den Wolfsbarsch.

Das sich das Vorhaben gleich als erfolgreich erwies und sich daraus – neben der Küsten- und Bachfischerei-

eine kleine weitere Leidenschaft bildet, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Fakt war, dass ich das wiederholen musste und so ging es auch in diesem Jahr wieder in Richtung Holland, genauer

– zum Europoort nach Rotterdam.

Der Europoort zählt nach wie vor zu den besten Wolfsbarschrevieren und ist von Hamburg aus relativ schnell zu erreichen. Letztes Jahr etwas spontan und unvorbereitet, ging es in diesem Jahr schon etwas sicherer ans Werk. Neue schnell sinkende Schnüre mussten her und auch ein größerer Fliegenvorrat wurde angelegt. Die holländischen Steinbuhnen sind nämlich genauso „hungrig“ wie die der Elbe. Im letzten Jahr fischte ich eine Klasse 9 Rute mit einer WF 9 F mit  S 3 Spitze. Dies funktionierte zwar aber ich merkte schnell, dass es besser wäre, situationsbedingt und je nach Tide tiefer zu fischen.

So besorgte ich mir einen Multi-Tip Schusskopf von Guideline in 8,60 Meter Gesamtlänge und einem Gewicht von 19 Gramm mit Wechselspitzen in Sink 3/4 und 6/7 passend auf die 7er Rute. Die Fliegen sind recht einfach gehaltene Streamer aus Baitfish-Fibre und Ziege, welche ebenfalls extrem beschwert wurden. Dafür kamen 4mm „Hantelaugen“ auf den Haken. Wirft sich bescheiden aber dank der kurzen Keule geht das gut nach vorne. Gerade bei dem immer wehenden Wind an der Nordsee, sollte ruhig“ kurz und knackig“ gefischt werden. Schön werfen braucht man hier nicht.

Nachts angekommen erst mal ne Mütze Schlaf und so ging es 7oo Uhr morgens pünktlich zum ablaufenden Wasser auf die Buhne. Die Buhnen sind bei Hochwasser nur schlecht zu begehen und es ist äußerste Vorsicht geboten.

Aufgrund des Schiffverkehrs herrscht oftmals eine extreme Strömung, welche ordentlich an den Füßen zieht. Schuhe mit Spikes sind hier vom Vorteil aber kein muss. Ist das Wasser eben noch unten, kommt es mit aller Gewalt wieder sobald das Schiff vorbei ist.

Bereits wenige Würfe später hängt der erste Wolf am Band…kein Riese aber voller Power. Bislang fischte ich eher stromab mit den Gezeiten. Als hier einige Zeit lang nichts mehr passierte zeigte sich am Prallufer der Buhne vermehrt Kleinfisch. Ein paar Würfe weit stromauf, sodass die Drift entlang des Buhnenfeldes geht und ich saß fest….so richtig fest. Ordentlich Druck gemacht und irgendwie nicht so richtig an einen Fisch geglaubt, setzte sich der Fisch in Bewegung und die Fliegenschnur durchschnitt das Wasser im weiter gegen die Strömung. Dann fing der Fisch an zu bocken…, zog immer weiter und ich musste die Bremse ein ganzes Stück lösen, damit der Fisch weiter Schnur nehmen kann…das ging so eine Weile hin und her, bis mir plötzlich die schwere Fliege entgegen kam. Das war mit ziemlicher Sicherheit ein richtig Kapitaler. Mit zitternden Händen wiederholte ich diese Taktik und fischte immer so, dass die Fliege entweder entlang oder über die Steinbuhne zog und konnte so über den Tag insgesamt sechs Fische bis 50 cm landen.

Am Abend wiederholte sich das Spektakel mit einem ebenso großen Wolfsbarsch nochmal..diesmal riss allerdings das Vorfach, was noch ärgerlicher ist. Trotzdem beendete ich glücklich und zufrieden den Tag zu später Stunde und freute mich umso mehr auf den kommenden Tag. Noch schnell paar Fliegen gebunden und dann kann´s am nächsten Tag wieder losgehen. Wieder auf der Buhne des Vertrauen, passierte jedoch absolut nichts. Die Tide lief an diesem Tag auch deutlich härter ab und so konnte die Fliege nur wenige Sekunden gefischt werden. Nach kurzem Wechsel auf Spinnrute und einigen Abrissen, wechselte ich wieder auf Fliege und fuhr noch einige andere Stellen an, welche nicht so starke Strömung aufwiesen…leider passierte an diesem Tag absolut nichts mehr. Aber grundsätzlich war ich sehr zufrieden und hatte eine tolle Zeit. Letztes Jahr musste ich aufgrund aufkommenden Sturmes und Regens bereits nach einem Tag abbrechen. Diesmal stimmte zumindest das Wetter.

Die Holländer begnügten sich stundenlang beim Fischen auf Finten. Diese quirligen Gesellen lassen sich auch hervorragend mit der Fliege fangen. Die Holländer fischen hier schwere Sinkschnüre (Sink7) und kurzes Vorfach mit zwei kleinen Fliegen. Farbe ist egal..Hauptsache GRÜN. Das gilt auch für die Wolfsbarschfliegen…gerne schön groß und Grünweiß oder Blauweiß gebunden.

Nächstes Jahr geht’s wieder hin…die beiden Großen werden wohl warten müssen 🙂

Der Großteil des Europoorts ist ohne weitere Lizenzen zu befischen. Wer darüberhinaus in den zahlreichen Kanälen fischen möchte, benötigt den Vispas.

Zu beachten ist auch, dass neue Regelungen zum Schutz der Wolfsbarschbestände in Kraft getreten sind.

Mindestmaß 42cm

Entnahme 1 Fisch / Tag

Thomas von: baltic-trouts.de

 


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